Friedenspädagogik

Friedenspädagogik

Kann man Frieden lernen?

„Kann man Frieden lernen?“ Diese Frage stellt die Religionspädagogin Elisabeth Naurath in ihrem Beitrag im „Handbuch der Religionen“. Und wenn dies möglich ist, warum steht das Fach „Frieden“ dann nicht ganz oben auf dem Stundenplan? Und müsste dann nicht auch das interreligiöse Lernen zum Schwerpunktthema dieses Faches werden – angesichts der religiösen und weltanschaulichen Pluralisierung unserer Lebenswelt und angesichts der Kriege und Terrorakte weltweit, bei denen religiöse Begründungszusammenhänge mit hineinspielen? Wäre es nicht zukunftsweisend, wenn im Sinne einer fächerübergreifenden Initiative friedenspädagogisch relevante Handlungsfelder so in den Blick genommen werden würden, dass sich Synergieeffekte ergäben? Ein Beispiel: Bundesweit einmalig gibt es in Baden-Württemberg seit fünf Jahren eine „Servicestelle Friedensbildung“ mit dem Ziel, die Perspektiven friedensbildender Prozesse fächerübergreifend in den Bildungsplänen und damit im schulischen Unterricht zu verankern. Doch es fehlt häufig das Bewusstsein für die große Klammer des Werte- und Handlungsmodells „Frieden“, es mangelt an Kontinuität in der diesbezüglichen Bearbeitung von Inhalten und der Anwendung von entsprechenden Methoden und schließlich auch am Verständnis für die Initiierung und Begleitung gemeinsamer Lernprozesse.

Friedenspädagogik und interreligiöse Bildung

Friedenspädagogik und (inter-)religiöse Bildung stehen in einem engen Zusammenhang, der von beiden Seiten bisher allerdings zu wenig in den Blick genommen wird. Der Artikel greift Frieden als gemeinsames Grundthema von Religionen auf und begründet Chancen einer Friedenspädagogik im religiösen Rahmen. Die Frage, wie Impulse einer lebensbegleitenden interreligiösen Bildung – im schulischen und außerschulischen Kontext – als Friedensbildung konstruktiv vorangebracht werden können, leitet den Artikel. Die Ausgangslage ist allerdings, dass in der Friedenspädagogik oftmals der Einfluss von Religion und ein Miteinander der Religionen unterschätzt wird. Hier heißt es, Anknüpfungspunkte schon in der Bildung Heranwachsender zu schaffen und interreligiöse Lernprozesse zu ermöglichen. Zugleich zeigt die didaktische Entwicklung vom Unterricht in Fremdreligionen zur dialogisch ausgerichteten interreligiösen Bildung, dass das gemeinsame Friedenspotenzial und die Ermöglichung verbindender Kooperationen gerade angesichts globaler Krisen zukunftsweisende Impulse setzen können.

Der vollständige Beitrag ist erschienen im März 2022 im Handbuch der Religionen:

Naurath, Elisabeth: Friedenspädagogik und interreligiöse Bildung. 71. Ergänzungslieferung 2022. In: Michael Klöcker & Udo Tworuschka (Hg.): Handbuch der Religionen. Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften in Deutschland und im deutschsprachigen Raum [Handbook of Religions. Churches and other Religious Communities in Germany and German-speaking Countries]. Loseblattwerk, Westarp Science Fachverlag, Hohenwarsleben 2022.

Schlagwörter:

Frieden, Religion, Dialog, Friedenspädagogik, interreligiöse Bildung, interdisziplinärer Diskurs, Friedenspotenzial der Religionen, Perspektivenwechsel, Empathiefähigkeit

Über die Autorin

Prof. Dr. Elisabeth Naurath, Professorin für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts am Institut für Evangelische Theologie, Universität Augsburg. Leiterin des Friedenspädagogischen Zentrums mit Lernwerkstatt sowie Sprecherin der Forschungsstelle Interreligiöse Bildung der Universität Augsburg, seit 2021 Vorsitzende von Religions for Peace (RfP) Deutschland sowie Mitglied im Vorstand (Board) von Religions for Peace (RfP) Europa.

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