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Achterbahnfahrt der Gefühle: Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Störung ist eine Persönlichkeitsstörung, die oft missverstanden wird. Für Menschen, die sich nicht selbst mit den Symptomen von BPS beschäftigt haben, kann das Verhalten der Personen, die darunter leiden, schnell unverständlich, übertrieben oder anstrengend wirken. Noch dazu wird BPS erst seit Ende des 20. Jahrhunderts als eigenständige Persönlichkeitsstörung behandelt und ist damit eine relativ „junge“ Krankheit. Auch wird über die Symptome dieser Störung in nicht-wissenschaftlichen Kontexten häufig nur oberflächlich und versimpelt gesprochen, wie es bei psychischen Störungen oft der Fall ist, weshalb eine Fehlinterpretation dieser Krankheit keine Seltenheit ist. Um solchen Missverständnissen entgegenzuwirken, sollen in diesem Artikel einige der Hauptsymptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung genauer erklärt werden.

Zu den häufigsten Merkmalen einer Borderline-Störung gehören Störungen der Emotionsregulation, das heißt z.B. starke Stimmungsschwankungen, Störungen des Denkens (darunter fallen auch Pseudohalluzinationen und paranoides Denken), Störungen der Identität, Störungen im zwischenmenschlichen Bereich und Störungen auf der Verhaltensebene. Hier soll genauer auf die Auswirkungen von BPS auf Beziehungen zu anderen Menschen und zu sich selbst eingegangen werden.

Störungen im zwischenmenschlichen Bereich

Menschen, die unter der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, sind ständig auf der Suche nach Geborgenheit und Verständnis. Durch eine gestörte „Ich-Wahrnehmung“ nehmen sich Betroffene nicht von sich allein als Individuum wahr, sondern über die Verbindung zu anderen Menschen. Deshalb plagt sie auch die allgegenwärtige Angst verlassen zu werden. Um dieser Angst entgegenzuwirken, bauen Betroffene symbiotische Bindungen zu ihren Partnern auf. Dabei handelt es sich um tiefe Verbindungen, die sie die Anwesenheit der anderen Person selbst über mit dieser Person verbundene Objekte und Emotionen spüren lassen. Nur so haben Betroffene Zugriff auf ihre eigenen Emotionen. Diese ungesunde Beziehung kann bei einem Aussetzen des Verbundenheitsgefühls zum Einsatz von Manipulationsmechanismen, Drohungen und Druckaufbau führen, zu einer vollkommenen Abhängigkeit oder zur absoluten Selbstaufgabe.

Bereits hier lässt sich die Widersprüchlichkeit dieser Störung erkennen. Einerseits können sich Borderliner an ihre Partner komplett festklammern, andererseits aber auch plötzlich von sich abstoßen. Borderline-Beziehungen folgen einer bestimmten Dialektik, bei der zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung schlagartig gewechselt wird. Mal wünschen sich Betroffene, einem besonderen Menschen so nah wie möglich zu sein, dann wieder fürchten sie diese Nähe, da damit ihre Angst, verlassen und verletzt zu werden, größer wird. Stattdessen verspüren sie dann den Wunsch nach Distanz. Werden die widersprüchlichen Bedürfnisse von der Umgebung nicht erfüllt, kommt es seitens des Borderliners rasch zu einer Abwertung. Kleinste Zurückweisungen werden als Enttäuschung erlebt und führen in Beziehungen schnell zu einem generellen Misstrauen, das sich mit jeder Wiederholung zu einem Menschenhass entwickeln kann. Zwischenmenschliche Beziehungen mit Personen, die unter BPS leiden, sind also instabil und sehr intensiv.

Störungen in der Identität

Doch nicht nur in der Beziehung zu anderen Menschen äußert sich die Borderline-Persönlichkeitsstörung, sondern auch in der Beziehung zu sich selbst. Betroffene Personen erleben eine stark schwankende Selbstwahrnehmung. Sowohl was ihr eigenes Bewusstsein, ihren Selbstwert als auch ihr Selbstbild angeht, können Borderliner zwischen extremer Überschätzung und Missachtung oder Abwertung wechseln. Das andauernde Fehlen einer Ich-Identität kann zu einem Gefühl der Leere und zu größeren dissoziativen Symptomen führen. Das bedeutet, dass man keinerlei Bezug mehr zu sich und seinem Körper hat und sich selbst nur von außen wahrnimmt. Dies äußert sich auch in einer Sprunghaftigkeit und Impulsivität in Bezug auf die eigenen Emotionen und Entscheidungen. Betroffene fühlen sich fremd in sich selbst und haben oft das Gefühl, sich nur durch Selbstverletzung wieder in Einklang bringen zu können.

Doch auch selbstschädigendes Verhalten geht mit dieser Impulsivität und inneren Unsicherheit einher. Damit sind z.B. übermäßiges Geldausgeben, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, häufig wechselnder sexueller Kontakt, Diebstahl und Essstörungen gemeint. Die Suchtanfälligkeit ist bei Menschen mit BPS deutlich höher als bei solchen ohne diese Störung. Es sind für sie Versuche, kurzzeitig Glückgefühle aufzubauen, dem Gefühl der Leere entgegenzuwirken oder ihrem Leiden zu entkommen. In manchen Fällen kann die Störung sogar so weit gehen, dass sie zu suizidalem Handeln und expliziter Selbstverletzung führt.

Wie genau Betroffene unter der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden und wie stark sich die Störung ausdrückt, ist unterschiedlich. Wenn Sie mehr über diese Krankheit, ihre Hauptsymptome, Abwehrmechanismen und den Verlauf erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen das Buch „Am Ende bleibt der Schmerz und die Frage WARUM? – Dynamik einer Borderline-Beziehung“ der Psychologischen Beraterin Suzi Pavic und des Borderline-Experten Ed Hellmeier.

Über die Autor:innen

Suzana Pavic wurde 1969 in Split/Kroatien geboren und lebt seit 1996 in Deutschland. Die Kriegsereignisse im früheren Jugoslawien und die damit verbundenen Grausamkeiten, zu denen Menschen fähig sind, brachten sie dazu, sich eingehender mit der menschlichen Psyche zu beschäftigen und letztendlich die Ausbildung für Psychologische Beratung und Psychotherapie zu machen. Heute ist sie als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Psychologische Beraterin tätig mit dem Schwerpunkt der Beratung von Menschen, die sich in problematischen Beziehungen befinden oder Schwierigkeiten haben, mit einer Trennung zurechtzukommen. Aufgrund eigener Erfahrungen beschäftigt sie sich seit 2004 sehr intensiv mit dem Thema Borderline und ist auch ehrenamtlich in einigen Projekten engagiert. Ihr Buch basiert auf ihren Erfahrungen und den Erfahrungen und Erlebnissen anderer Menschen, die sie durch ihre Tätigkeiten kennen lernen und begleiten durfte. Weitere Informationen über Frau Pavic und ihre Arbeit sind auf ihrer Seite www.suzana-pavic.de und www.borderline-beratung.com zu finden.

 

Ed Hellmeier wurde 1973 in Starnberg geboren. Er ist ehrenamtlich bei mehreren Borderline-Plattformen und Selbsthilfe-Projekten tätig. Ed hat im Jahr 2009 die Diagnose Borderline bekommen, und seitdem setzt er sich mit diesem Thema sehr intensiv auseinander. Mit seinem Einsatz konnte er vielen Menschen helfen.

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